Getränkekartons

Besonders als Verpackung für Saft und Milch setzen Hersteller den Getränkekarton ein. Anders als Plastikflaschen oder Dosen bestehen Getränkekartons überwiegend aus einem nachwachsendem Rohstoff. Holzfasern machen im Schnitt etwa 70 Prozent der Gesamtmasse aus. Doch auch der Getränkekarton ist eine kurzlebige Einwegverpackung.

Der Kartonanteil stammt immer vollständig aus neuen Holzfasern, da nur diese die geeignete Faserlänge aufweisen. Deutschland importiert 80 Prozent seines Primärfaserbedarfs, 40 Prozent stammen aus Skandinavien. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Papier, Pappe und Karton ist hier so hoch wie in keinem anderen Industrie- und Schwellenland. Neben Karton kommen bei der Herstellung von Getränkekartons Polyethylen und je nach Anwendungsbereich auch Aluminium zum Einsatz.

Durch mehrere Schutzschichten und die Ausgusshilfe, die mittlerweile Standard ist, wachsen das Gewicht und der Kunststoffanteil von Getränkekartons immer weiter an. Während ihr Gewicht 2004 durchschnittlich 26 Gramm pro Liter betrug, sind es heute 35 Gramm. Mit dem steigenden Gewicht werden mehr Ressourcen verbraucht und mehr CO2 bei der Produktion und dem Transport freigesetzt.

Hersteller von Getränkekartons werben mit hohen Recyclingquoten von über 70 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich lediglich auf Verpackungen, die über die dualen Systeme erfasst werden. 37 Prozent der Getränkekartons werden durch Verbraucher falsch sortiert, gehen für ein Recycling verloren und werden verbrannt. Deshalb ist die Recyclingquote von Getränkekartons in Wirklichkeit viel niedriger als die offizielle Quote es vermuten lässt.

Aber auch der Anteil, der über die Wertstoffsammlung erfasst wird, lässt sich nur mit großem technischen Aufwand stofflich wieder nutzen. Der Verbundstoff aus Papier, Aluminium und Kunststoff macht ein Recycling schwierig. Eine sortenreine Abtrennung des Aluminiumanteils aus Getränkekartons erfolgt in Deutschland aktuell nicht in großindustriellem Maßstab. Der Kartonanteil wird als einzige Fraktion überwiegend recycelt.

Mit dem am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Verpackungsgesetz (VerpackG) entfiel die Kategorie der „ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackung“. Diese war Bestandteil der zuvor maßgeblichen Verpackungsverordnung (VerpackVO).

2019 erschien eine neue Ökobilanz des ifeu-Instituts zu Getränkeverpackungen in den Segmenten Säfte/Nektare und Milch. Die vom Fachverband Kartonverpackungen (FKN) in Auftrag gegebene Studie verglich den Getränkekarton mit Mehrwegflaschen und Einwegplastikflaschen. Nachdem erhebliche Fehler bei der Ermittlung der Transportdistanzen der Verpackungen öffentlich wurden, zog der FKN die Studie zurück. Sie befindet sich aktuell in der Überarbeitung.

Aus Sicht des Klimaschutzes ist der Getränkekarton keine vorteilhafte Verpackung, da seine Bestandteile stets aufwändig neu produziert werden müssen und zu einem großen Anteil nicht recycelt werden.

Nähere Informationen zu den Klimaauswirkungen von Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen findest du in unserem Klimacheck.